Samstags morgens, kurz nach Sonnenaufgang, ging der Spaß los. Ein schneller Kaffee, ein kurzer Schnack mit Bert, der gerade aus Dänemark zurück kam und schon saßen wir auf unseren bepackten Böcken und drückten die Startknöpfchen. Der Urlaub sollte direkt vor der Haustür beginnen. Keine schnelle Anfahrt und schon gar nicht über die Autobahn. Warum auch, hier ist doch auch schön. Wir fuhren also auf Land- und Bundesstraßen eine wunderschöne Strecke durch den Odenwald, das Taubertal und das Schwabenländle. Begleitet von Kurven, Sonne, Kuhweidenlandschaft und kaum Verkehr. So soll es sein.

Mittagessen gab es spontan auf einer netten Burgruine. Dort war gerade der Grill für ein kleines Fest angeschürt und wir waren die ersten und auch fast die einzigen Gäste. So genossen wir bei lecker Grilltier die Aussicht und waren selbst überrascht, wie schnell wir tatsächlich schon mitten im Urlaub angekommen sind.

Bei Augsburg wurde uns dann aber der Verkehr zu viel und die Bundesstraße autobahn-ähnlich für unseren Geschmack und wir wechselten lieber auf die ganz kleinen Landsträßchen. Trotzdem ging es relativ zügig voran und recht bald danach erschienen uns, wie aus dem Nichts, nach einer Kurve die Alpen in ihrer majestätischen Pracht. Herrlich!

Angestachelt von der Vorfreude auf die Passstraßen waren wir ruck zuck in Österreich. Zumindest gefühlt. Die Uhr war da anderer Meinung. Es sollte nämlich doch schon bald dunkel werden. Trotzdem entschieden wir uns für die Weiterfahrt zu Alexanders Onkel, wo wir unser erstes Nachtquartier bekommen sollten. Wie im Rausch cruisten wir auf den schönen, geschwungen Straßen dahin, dass selbst das fehlende Licht von oben dem Fahrspass keinen Abbruch tat.

Am nächsten Tag ging der Spass dann aber erst so richtig los. Nach einer ca. 30-Minütigen Anfahrt standen wir vor den Toren der Großglockner Hochalpenstraße.
Dummerweise mussten wir gerade an einem Sonntag bei bestem Wetter auf die Idee kommen die Ausflugsstraße Nummer 1 in den Alpen zu befahren, aber wir nahmen es sportlich. So wurde das Passheizen mit dem ganzen Verkehr eben nur noch ein wenig anspruchsvoller. 18Euro „Eintritt“ waren pro Moped fällig, die sich unserer Meinung nach gelohnt haben (für ADAC-Mitglieder übrigens 4€ Günstiger, sofern man es denn weiß).

Obwohl die Strecke nur knapp 50km lang ist (inkl. zwei kleinen Abstecher zu Aussichtspunkten), haben wir fast den ganzen Tag auf der Hochalpenstraße am Großglockner verbracht. Die Straßen sind super in Schuss, teilweise sogar dreispurig, und die Aussichtspunkte belohnten immer wieder eine kurze Rast und wurden Ihrem Namen mehr als gerecht. Bis auf knapp 2600 Höhenmeter schraubten wir uns auf unseren Mopeds in die Höhe, wobei sich die Höhenluft ab spätestens 2000 Metern in den Motoren bemerkbar machte. Allerdings nicht so sehr, dass es uns großartig gestört hätte.

Wieder im Tal angekommen, fast exakt mit dem Verlassen der Großglocknerstraße, verschwand dann leider das Blau vom Himmel und stattdessen kamen da oben Wasser, Donner und Blitze raus.
Das wollten wir uns nach einer kurzen und kollektiven Unterstellungs-Bikerrast bei einer Tanke mal näher anschauen und wir fuhren dem Wetter auf dem Plöcken-Pass etwas entgegen. Hochwärts war die Straße super in Schuss, soweit ich das bei all dem Nass beurteilen kann. Während die Blitze neben uns reinknallten, ging es dann aber über Kopfsteinpflaster und und rissigen kleinen Straßen den Pass auf der Italienischen Seite wieder runter. Ein Weile lang lagen die Spitzkehren in kleinen Spitzkehrentunnel. Die waren nicht nur lustig zu fahren, sondern auch äußerst praktisch angesichts des Wetters.
Alles in allem hatten wir eine etwas abenteuerliche, aber dennoch sehr spaßige Passfahrt. Und wir sind das ja auch von #twitaly nicht anders gewohnt. Es ist schon fast Gesetz: bei Einreise nach Italien über Passstraßen regnet es. Basta. Wohl nur kurz, aber ordentlich. Daran sollte sich auch auf der Heimreise nichts ändern.

Nach dem Plöckenpass ging es dann entlang schöner ausgewaschener Flussbetten zum ersten Campingplatz wo wir, mittlerweile ohne Regen, zum ersten Mal unsere Zelte aufschlagen konnten.

Am nächsten Tag nahmen wir den kürzesten Weg ans Meer. Der führte über eher unspektakuläres italienisches Land bis nach Trieste von wo aus wir einfach immer an der Küste entlang nach Süden fuhren. Gerade im Slowenischen Teil eine wunderschöne Strecke. Dort führten uns die kleinen straßen über feine Kurven am Meer entlang, durch kleine Fischerdörfer bis nach Istrien. Das blaue Meer und die Hitze waren ein krasses Kontrastprogramm, wo wir doch am Tag zuvor auf der Hochalpenstraße den Schnee vor Augen hatten und es angenehm frisch war. Mittlerweile war so heiß dass wir auf unsere Mopedjacken verzichteten. All die Protektoren schützen eben nicht vor Hitzeschlag.

Unser Einmarsch in Kroatien gegen Abend war leider etwas ernüchternd. Viel zu viel Tourismus für unseren Geschmack. In dieser dieser „Hochburg der krebsroten Bierbäuche“ sollten wir aber trotzdem die Nacht auf einem Campingplatz verbringen. Der kostete uns zu allem Übel noch so viel, wie wir in Österreich für ein Zimmer mit Frühstück + Bier bezahlt hätten.
Wenigstens gab es  einen ersten, ordentlichen Schluck gesalzenes Adriawasser umsonst dazu.

Spätestens als wir am Tag darauf bei der Halbinsel Kamenjak ankamen, waren wir dann aber von Kroatien begeistert. Gegen einen kleinen Obulus von, ich glaube, 2 Euro konnten wir über Schotter und Geröll verschiedene Klippen im südlichsten Zipfel Istriens ansteuern, uns eine Erfrischung im Meer gönnen und in einer lustigen Hippie-Bar mit lecker selbstgemachtem Allerlei abhängen.


Von Kamenjak aus ging es direkt weiter Richtung Cres – unserer erste Insel.
Zuerst mussten durften wir aber weiterhin gut 25km über eine coole Schotterpiste fahren, die auf der Karte als normale Straße gekennzeichnet war. Hier hatte ich mit der Ténéré deutliche Vorteile gegenüber Alexanders Güllelpumpe, aber es ging trotzdem gut voran. Nach der Schotterpiste, fuhren wir auf kleinsten Straßen durch Minidörfer zurück in die Zivilisation.
Trotz des eher langsamen Abschnitts schafften wir es noch bequem auf die Fähre nach Cres.

Lag vielleicht auch dem Kradcop, der uns mit seinem Fahrstil ja quasi dazu aufforderte die gut ausgebauten Kurven nicht zu vertrödeln. 😉
Und wieder war ein Tag mit einem sehr schönem Streckenabschnitt und ausnahmslos anspruchsvollen und sehr abwechslungsreichen „Straßen“ – und was man so im weitesten Sinne darunter verstehen kann – zu Ende.

Es folgten zwei lockere Tage.


Wir wechselten nur von unserem gammeligen Campingplatz im Norden der Insel, auf einem tollen Campingplatz ein paar Kilometer weiter im Süden. Dort war ein bisschen faulenzen angesagt und wir starteten von dort aus am nächsten Tag nur eine kleine Inselrundfahrt ohne Gepäck. Wir wollten bis an den südlichsten Zipfel der Insel Losinj.
Irgendwann standen wir dann vor einem Schrottplatz inmitten eines Industriegebietes. Das GPS zeigte an, dass die Insel noch ca. 20km Land hinter dem Schrottplatz zu bieten hat. Also fuhren wir einfach mal durch das Mülldorf durch. Auf einmal tat sich eine hübsche, kleine Gasse auf, die entlang zu heizen mächtig Spaß machte. Ich mag diese kleinen, extrem kurvigen und unübersichtlichen Straßen ja sehr gerne. Eintopfgassen halt.
Oben auf dem Hügel angekommen tat sich uns ein grandioser Ausblick auf.
Na, dass hat sich doch gelohnt. Oder?

Nach dem Müsiggang auf dem Campingplatz Slatina, den ich übrigens ausdrücklich empfehlen kann, ging es auf zum lustigen Inselhüpfen. Von Cres auf KrK, von Krk weiter auf Rab und von da aus auf’s Festland auf die berühmte Jadrauska Magistrala.


Dort gab es leider die meisten in der Karte eingezeichneten Campingplätze nicht mehr.  Stattdessen standen wir des öfteren vor Feriendörfern oder übertriebenen Villen mit eigenem Jachthafen.
Schließlich fanden wir aber doch noch eine akzeptable Bleibe an der Küstenstraße von der aus wir am Tag darauf, wieder ohne Gepäck, zu den Plitvicer Seen aufbrachen.

Die Strecke war sehr schön zu fahren. Viele Kehren, ein ständiges Auf und Ab und sehr schöne Landschaften. Allerdings führte uns die Route auch durch ehemaliges Kriegsgebiet mit vielen zerschossenen und ausgebombten Häusern und Minenfelder am Straßenrand. Wir wurden vor Abfahrt schon gewarnt unbedingt auf den befestigten Straßen zu bleiben. Es dauerte auch nicht lange, bis wir die ersten Schilder sahen, die vor Minen warnten. Und mit Tretminen meinten die definitiv keinen Hundekot.
Ich habe dann auch immer etwas genauer hingeschaut, wenn ich mal in die Büsche verschwinden musste, aber es hat sich doch immer ein ausreichend sicherer Pinkelplatz gefunden 😉

Nach einem Gewaltmarsch bei 30°C in Mopedmontour durch den Nationalpark Plitvicer Seen, meinte ich dann auf der Rückfahrt zur Abwechslung mal Diesel tanken zu müssen.
Der Tankwart schaute sich das an, kassierte mich ab um mich dann freundlicherweise darauf aufmerksam zu machen, dass ich doch bestimmt kein Dieselmotor in der XTZ hängen hätte.

Da ich gut 10 Liter Diesel in den Tank geschüttet hatte, wollte ich kein Risiko eingehen und entschied mich den Sprit lieber abzulassen. Auf Geheiß des Tankwartes geschah dies in einen Gully. Ein Gefäß wollte er mir nicht geben. „Nix Problem. Da rein. Is Gut.“

Ich bin davon ausgegangen, der Gully gehört zum Ölabscheider der Tanke und folgte seinen Anweisungen. Nach dem aber so ungefähr 18l Sprit in dem Gully versenkt waren, stellte ich fest, dass das „Gemisch“ sich darin sammelt und kein Tropfen abfließt.

Der benachbarte Motorradclub bedachte mich während der Aktion immer mal wieder führsorglich mit Hohn und Spott und wir sahen zu, dass wir schleunigst Land gewinnen bevor einer der Rocker seine Kippe in den Gully schmeißt.
Bin mir nicht sicher, ob es diese Tanke noch gibt.

Am nächsten Morgen erwartete uns das nächste Abenteuer: die kroatischen Fallwinde. In der Nacht zuvor schlief ich noch draußen, da der Wind eine angenehme Abkühlung brachte. Hätte ich da schon gewusst was diese Windbiester namens Bora für einen Betz haben, hätte ich mich wohl eher nicht direkt neben das Moped gelegt.

Aber es ist ja gut gegangen. Morgens hatten wir es dann gerade noch so auf die Küstenstraße geschafft, bevor die Straße wegen den Winden komplett gesperrt wurde. Ich sollte dann auch bald erfahren, wieso so eine Sperrung für Bora nicht übertrieben ist. Ich wurde nämlich ein, zwei mal von so einer kleinen, fiesen Böe erfasst und bei ca. 80km/h mit schlitternden Reifen und trotz massiven Gegenlenkens quer über die Fahrbahn gedrückt. Das war alles andere als ein angenehmes Gefühl, wenn man in den Gegenverkehr und Richtung kaum gesicherten Felsabhang gedrückt wird und man sich nicht dagegen wehren kann.  (Hallo!! Ein richtiger, echter Felsabhang. Eine Klippe. So wie im Film. Nur schlimmer.) Selbst als ich schon fast stand, schob sich die beladene Ténéré einfach mit hoppelnden Reifen weiter nach links. Krasses Naturgewaltsarschgesicht, dieser Bora.

Aber irgendwie schafften wir es mit knapp 40° Schräglage geradeaus zu fahren und die Jadrauska Magistrala und somit auch Bora recht schnell Richtung Slowenien hinter uns zu lassen. Alexander hatte da mit seiner Güllepumpe nicht so viele Probleme im Wind, wie ich mit der Ténéré. 1:1.

Nach dieser Anstrengung bekamen wir in Slowenien dann nochmal eine kurze Abkühlung durch einen Regschauer der standesgemäß bald nach der italienischen Grenze zu Ende war.

Zum Abschluss des Tages durften wir uns bei der Zielungeraden zum Campingplatz einen ersten Vorgeschmack auf die Passstraßen genehmigen, die es am nächsten Tag zu erfahren galt.

Auf dem Campingplatz, ganz nett an einem Bergsee gelegen, sollten dann auch zum ersten Mal der mitgebrachte Schlafsack und Pullover seine Verwendung finden. Eine willkommene Abwechslung nach der Hitze in Kroatien.

Beim Abendessen suchten wir uns eine Strecke über fast 450km italienische, österreichische und deutsche Passstraßen raus.

Insgesamt fuhren wir dann 5 große, Pässe. Welch ein Fest! Kaum Verkehr, auf der Timmelsjoch Hochalpenstraße waren wir fast alleine und das Wetter spielte perfekt mit. Sensationell!! Wir hatten nicht wirklich damit gerechnet die ganze ausgewählte Strecke an einem Tag zu bewältigen, aber wir fuhren uns in einen Rausch, vergaßen selbst das Mittagessen und die sonst regelmäßigen Kippen- bzw. Schnupfpausen. Ausschließlich zum Fotografieren und zum Tänzeln schafften wir es die Mopeds hin und wieder mal zu stoppen.

Als bereits die Dämmerung einsetzte, mussten wir zuerst feststellen, dass der auf der Karte angepeilte Campingplatz nicht mehr existierte, dann fuhren wir auch noch aus versehen auf die Autobahn. Und da sich erst nach 50km eine Ausfahrt auftat, beschlossen wir kurzerhand einfach weiter  zu rauschen. Wenn andere 1000 Meilen in 24 Std. fahren können sollten doch knapp 1000km trotz Passstraßen kein Problem sein. Nach insgesamt 19 Std. im Sattel steuerten wir dann auch ohne Probleme und Auas die jeweils heimische Garage an.

 

Fazit:

Der Urlaub war etwas kürzer als geplant, dafür schöner als erhofft. Wir hatten fast die ganze Zeit über abwechslungsreiche, super schöne Strecken und Landschaften, perfektes Wetter und keine nennenswerte Pannen.

Für Anfänger ist Kroatien eher nicht geeignet, da die Straßen bei Regen Spiegelglatt werden, die Fallwinde einen hinschieben wohin es ihnen passt und durchaus mit ein paar Offroadeinlagen zu rechnen ist. Jedoch kann ich die Aussagen, Kroatien sei kein Motorradfahrerland, absolut nicht vertsehen. Im Gegenteil.

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Der Touratien-Clip bei Gaskrank.tv