Angedacht als Celebrity-Ride zur Nominierung unseres SR-Webvideos zum Motorcycle-Film-Festival in New York wurde die SR-Ausfahrt mangels früher möglichen Terminen gleich auch eine Jahres-Abschluss-Tour. Nicht, dass eine unserer SRs etwa ein Bruchstrich-Nummernschild tragen müsste, aber die allgemeine Bereitschaft zu einer ausgedehnten Tour nimmt im November doch tendenziell stark ab. Wie es der Zufall wollte, fand an dem ausgewählten Samstag auf einigen der HWP-Hausstrecken die ADAC Niebelungen-Rallye statt. Somit hatten wir also auch ein "Ziel" und sogar die Wetterlage war uns wider Erwarten wohlgesonnen. Es gibt doch nichts schöneres, als bei Sonnenschein durch den herbstlich-bunten Odenwald zu tuckern.
"Hach, das bunte Blätterzeug... Sooo romantisch." "Ja, ich hab' sogar ein Tränchen verdrückt..." "Mach halt mal dein Visier zu..."
Das Fahrerlager der Niebelungen-Rallye schien vielversprechend. Von "Low-Budget" bis "Jesses-der-ist-doch-viel-zu-schade-für-eine-Rallye" war alles an Autos vertreten. Ein kurzer Plausch mit dem Stoppuhr-Mensch der Rallye ergab den Plan weiter nach Hammelbach zum Rundkurs zu fahren. Rundkurs klingt schließlich nach guter Sicht und Action.   Doch so weit sollte nicht kommen. Auf dem Weg zum Rundkurs begann sich bei einem Wendemanöver mein Motorrad in einer Art und Weise zu bewegen, für das ich mich erinnern konnte ein Kommando gegeben zu haben. Im selben Moment lagen mein Mopped und ich auch schon auf dem Asphalt. - Das geschah jedoch weniger durch Abwesenheit des Gleichgewichtes in trauter Zweisamkeit mit Mensch und Gefährt, wie ich das von mancher Bonanzarad-Veranstaltung her kenne, die Situation machte nach einer kurzen Orienturngsphase vielmehr den Anschein einer wilden Origie. Hinter mir kreischte eine SR unter Vollast ohne Last, darunter räkelte sich der Fahrer, daneben tänzelnd die Frau Beifahrer.   Autos. Blicke. Peinlich. Ehe ich so recht verstehe was diese spontane Kunstinstallation mir sagen möchte, stehen auch schon alle Moppeds und Beteiligten auf dem Parkplatz. Die Sorge, dass bei dem kurzen Ausflug in die Horizontale etwas passiert sein könnte, galt nach einem kurzen Schütteln der Gebeine natürlich zuerst den Moppeds. Meine SR lag links. Schalthebel kaputt. Kacke. Berts SR lag rechts. Bremshebel verbogen, Delle im Tank. Fahrbereit. Gut. Autos halten. "Ist was passiert?" "Ich hab ein Schweißgerät..." "Geht's euch gut?..." "Ich kenn da jemanden..." "Nönö. Alles Gut. Alles Absicht, wir sind Stuntman." Die Sache mit dem Schalthebel stellt sich als kurzfristig irreparabel heraus. Da brauchte es wohl oder übel die Unterstützung des Ranch-Nachbars mit seinem Sprinter als Schandkarre. Nachdem das geklärt war, hielt es Berts Kreislauf nicht für notwendig noch länger mit uns herumzuhängen und verabschiedete sich prompt. Was dem Gesicht dadurch an Farbe fehlte wollten nun offenbar seine Rippen und Knöchel wieder gut machen und kündigten deutlich eine unmittelbar bevorstehende Farbveränderung an. Wer weiß was dieses Adrenalin, das krasse Stöffchen, noch so alles kurzfristig zu überdecken versucht. Also lieber mal das Painkiller-Catering bestellt.   Notarzt:
"Wie habt ihr denn das geschafft? Ihr habt doch gar keine schnellen Moppeds?" "Trommelbremsen..." "Ach so."
Die Rettung nimmt den Bert mit, der Nachbar nimmt mein Mopped mit, die Cops nehmen niemanden mit. Weiter geht's. Auch wenn vom Tag nicht mehr wirklich übrig und die Rallye vorbei ist. Immerhin kommen später alle beteiligten fast gleichzeitig und mehr oder weniger unversehrt zu Bretteljause und Ouzo bei der Ranch an. Glück gehabt. Und die Moral von der Geschicht': Protektoren sind toll und einen Ninja sieht man nicht.     (Memo an mich: Berts SR fährt sich vor allem in den Kurven deutlich besser als meine. Unbedingt mal Lenkkopf-, Rad-, und Schwingenlager checken.)