Single im doppelten Sinne: meine erste mehrtägige Alleintour und meine erste Tour die (völlig überraschend) zu großen Teilen der gesamt 1.500 km über einspurige Straßen führte. 


Mein 3-Punkte-Masterplan für die relativ spontane Tour für die ich 4-5 Tage Zeit im Gepäck hatte, lautete:
1. kein Plan
2. keine Autobahn
3. kein Regen.

Der Rest sollte sich spontan ergeben und die Routenführung legte ich komplett in die Hand des TomTom Rider 400, was sich als echter Glücksfall herausstellen sollte. 

Der Einfachheit halber entschloss ich mich diesmal außerdem erstmals auf ein Zelt zu verzichten. Dazu führten im Vorfeld die Überlegung der Zeitersparnis des täglichen Lageraufbaus und der Verpflegung – und vor allem natürlich die deutliche Gewichtsersparnis auf dem Motorrad. Auch dachte ich, es wäre unterwegs wohl einfacher spontan ein Hotelzimmer zu finden, als ein Campingplatz. Was sich auch so bewahrheitete. 

Soweit der Plan.
Als grobe Richtung zum Start der Tour dachte ich spontan an Nordost, da dies noch ein großer weißer Fleck auf meiner persönlichen Motorrad-Karte ist. 
Die Wettervorhersage orakelte am Samstag Abend jedoch die nächste Sonne würde es bei Freiburg geben. Also ging es gemäß Punkt 3 des Masterplans (kein Regen) nach Freiburg, nicht wie zuerst angedacht nach Dresden und Ostdeutschland.

Als ich dann am Sonntag Vormittag diese Entscheidung dem TomTom mitteilte und ihn bat, die Routenführung über „kurvige Strecken“ nach Freiburg zu übernehmen, staunte ich nicht schlecht, als Tom² mir eine 10-stündige Fahrt voraus sagte. 
10 Std. für 400 Kilometer klingt eigentlich eher nach Endruo- oder Fuffitour, aber darüber machte ich mir gemäß Punkt 1 des Masterplans keine weiteren Gedanken und ganz offensichtlich wurde ja auch Punkt 2 von TomTom gewissenhaft berücksichtigt. 

Schon 10 Min. nach Abfahrt war klar, wie das Navi auf diese Fahrzeit kommt. Ich konnte es kaum fassen, dass mich die kleinen blauen Pfeile im Display quasi direkt vor der Haustür auf mir bisher gänzlich unbekannte Gassen (mit fantastischem Ausblick) schickte. Und das war auch direkt der erste Single Track mit kleinen Schotter-Einlagen von der Art wie ich sie von nun an die meiste Zeit der Tour unter den Rädern haben würde. Was ich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht zu hoffen wagte.

NC oder CRF – die Qual der Wahl

Im Vorfeld hatte ich eine Weile hin und her überlegt, ob ich die Tour mit der CRF250L oder der NC700S fahren möchte. Für die NC sprach die größere Reichweite, das praktische Helmfach für Verpflegung und Kamera (was einen nervigen Tankrucksack obsolet macht) und der Umstand, dass ich die NC seit fünf Jahren (jesses, schon so lange?!) ausschließlich als Alltagsgefährt nutze und noch keine größere Tour mit ihr gefahren bin. 

Mustergültige Single-Road: Keine Pfosten, keine Gräben, freie Sicht und guter Asphalt. Da kann man es auch mal schön fliegen lassen und wunderbar surfen.

Single Road, Schotter und teilweise sogar Waldwege sprechen nun eigentlich eher für eine Enduro, aber ich habe die Entscheidung nicht im geringsten bereut. Da mich Mr. TomTom natürlich nur über offizielle, legale Wege führte, waren auch die unbefestigten Streckenabschnitte in entsprechend gutem Zustand und mit der NC super zu fahren. Und das Mehr an Leistung gegenüber der CRF hat auf den breiteren Straßen zwischendrin immer wieder für eine Extraportion Spaß gesorgt. 

Alleintour vs. Gruppenfahrten

Der ein oder andere Mitfahrer hatte sich in der Vergangenheit schon mal mehr oder weniger deutlich über die Schlagzahl meiner Pausen beschwert. So dachte ich, dass meine Netto-Fahrzeit pro Tag gegenüber den Gruppenfahhrten um einiges geringer ausfallen würde. 
Zu meiner Überraschung war das genaue Gegenteil der Fall. Zwischen acht und zwölf Stunden war ich täglich unterwegs, wobei die Pausenzeiten pro Tag kaum über eine Stunde hinaus gingen. Das lag nicht daran, dass ich weniger oft pausiert hätte, im Gegenteil, aber wenn man sich nicht ständig fest quatscht, ist Rauchen, Pinkeln und Essen meist in 5 Minuten erledigt. 

Folgen Sie der Straße 4 km….

Ehrlich gesagt habe ich es während der Fahrt auch sehr genossen, auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen, was Geschwindigkeit, Pausen, Tanken etc. betrifft. Oder – wie bei der Tigertour und dem Ligurien-Enduro – ständig das Gefühl zu haben die anderen auszubremsen. 

Für längere Reisen, insbesondere ins Ausland, zähle ich aber auch in Zukunft doch lieber auf Begleitung. Und Endurotouren alleine zu Fahren kommt mir schon mal gleich gar nicht in Tüte. 

Die Route

Beim Abendessen habe ich jeweils nach Wetterkarte und spontaner Eingebung das grobe Ziel für den nächsten Tag bestimmt. 
So führte mich die Route am ersten Tag vom Odenwald durch den Schwarzwald nach Freiburg. Von Freiburg ging es am nächsten Tag durch das Allgäu nach Kempten (wo ich an einer riesigen Kletter- und Boulderhalle vorbeikam und nicht widerstehen konnte, weshalb die Route etwas kürzer ausfiel als an den anderen Tagen). 

In Kempten dachte ich, es wäre ganz nett mal wieder Großglockner Hochalpenbstraße zu fahren, aber irgendwo bei Zell am See ging mir der tiroler Touristenverkehr nach den Tagen in der „Abgeschiedenheit“ dermaßen auf den Sack, dass ich das Vorhaben abgebrochen habe und in Brannenburg landete, von wo aus es an Tag vier wieder langsam Richtung Norden gehen sollte. 

Eigentlich hatte ich noch eine weitere Übernachtung einkalkuliert, aber die nun wieder grandiose Routenführung durch das Ries und Franken lies mich die Zeit vergessen und ich wollte fahren, fahren, fahren. Bis ich auf einmal zu meinem Entsetzen vor der eigenen Haustür stand. Ohne Not fast 12 Stunden am Stück auf dem Mopped und nicht aufhören wollen ist mir bisher auch noch nicht so oft passiert. 

TomTom Rider 400

Mein Held der Tour. Tatsächlich bin ich bis auf wenige Kilometer ausschließlich kleine Landstraßen und (legale) Landwirtschaftswege gefahren. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass man in Deutschland so viele Kilometer auf Single Roads abspulen kann. 
Natürlich gab es auch immer mal wieder mehr oder weniger lange „Verbindungsetappen“ auf Straßen mit aufgemalten Mittelstreifen. Doch diese Etappen waren (außer in Tirol) nicht minder spaßig und man muss schließlich auch immer mal wieder das Gas ganz aufdrehen um den Auspuff freizupusten. 

Viel Guck, viel Grip, kein Verkehr. Yeah.

Aber auch auf den kleinen Wegen war es keinesfalls immer nur ein lahmes spazieren Fahren. Mit einer PS-starken Supersportler hätte man dort wohl eher wenig Spaß, doch alleine schon die erlaubten 100km/h auszunutzen sorgten hier mit der NC stellenweise für einen ganz ordentlichen Puls. 

(Wer kein Bock auf kleine und/oder unbefestigte Straßen hat, kann dies natürlich im Navi entsprechend einstellen ohne gleich auf der Autobahn zu landen, aber mir hat das extrem getaugt.)

Einzig bei Straßensperrungen kam der kleine Kasten etwas ins Straucheln. Hier muss man gut aufpassen, dass einen die Software nicht immer wieder zurück lotsen will. Da Umleitungsschilder auf diesen wenig befahrenen Strecken auch eher Mangelware, ja eigentlich gar nicht vorhanden sind, bin ich in diesen Fällen einfach immer stur min. 10 km der Nase nach gefahren, bevor ich meinem digitalen Roadcaptain wieder das Kommando überlassen habe. Das hat dann auch immer gut funktioniert.

TomTom vs. Papier-Karte

Lange war ich absoluter Verfechter der guten alten Papierkarte. Das hat sich nun grundlegend geändert. 
Tom² hat mich auf Pfade geschickt, die ich auf Karten niemals gefunden hätte. Da ich Teile der Strecke schon mal analog für eine Fuffitour geplant hatte, kann ich das mit Sicherheit sagen. 
Und selbst wenn, wäre bei dem Gewusel mehr Zeit für das Kartenlesen drauf gegangen, als für’s Fahren. 
Das Argument „weniger Freiheit“ kann ich auch nicht (mehr) gelten lassen. Wenn mich spontan eine Abzweigung gelockt hat, die entgegen der vorgeschlagenen Route war, hat das Navi nach spätestens 10 km klein bei gegeben und die Route entsprechend angepasst. 

Die Pausen-Plätze selbst sahen alle gleich aus, doch der Guck war immer anders.

Großartig auch die Tankstellen-Suchfunktion, da man auf den (Ab-)Wegen – wenig überraschend – eher selten „zufällig“ an einem offiziellen Spritspender vorbeikommt. 

Alles in allem hätte ich mit analogen Karten nicht annähernd so schön und entspannt unterwegs sein können. 

Der einzige „Nachteil“, der von all meinen Vorurteilen gegenüber der digitalen Navigation übrig geblieben ist: ich wusste selten wo ich eigentlich bin. Was mir dann aber auch egal war. Hauptsache lustige Straßen und schöne Landschaften. 

Wo bin ich hier? Ach, wurscht. Attacke!

Hotel vs. Camping

Ich fand es sehr viel leichter, Abends „mal schnell“ ein Hotel zu finden, als ich das von vergangenen Touren von der Campingplatz-Suche gewohnt war und letztendlich haben sich für mich die (Mehr-)Kosten dafür absolut bezahlt gemacht, um für ein paar Tage möglichst relaxt und bequem möglichst viel Motorrad zu fahren.
Für längere Touren und/oder abseits der Zivilisation werde ich natürlich auch immer wieder gerne auf das Zelt zurück greifen. Für solche Kurztrips werden Zelt, Schlafsack, Kocher und Co. in Zukunft aber wohl auch öfter mal zu Hause bleiben. 

Aber egal wie und mit was: Ich sollte unbedingt (wieder) öfter touren gehen. Und dazu braucht es offensichtlich auch gar nicht immer die große Vorbereitung… 

Single Road oder Single Track: 
Single track road ist eine schmale Straße, die lediglich für ein einziges Fahrzeug breit genug ist. 
Sie sind in Großbritannien sehr verbreitet. Single track roads haben im Allgemeinen in regelmäßigen Abständen Ausweichstellen (engl. passing places), die es gestatten, Verkehr aus entgegengesetzten Richtungen aneinander vorbeizuführen. Der Begriff wird in Schottland und vor allem in den Highlands sehr oft verwendet, um solche Straßen zu beschreiben. (wikipedia)
Das SR bei der Yamaha SR500 steht übrigens für "Single Road"