Der diesjährige Honda-Testtag stand ganz im Zeichen der neuen CRF1000 Africa Twin. Um zu zeigen, dass die neue AT mindestens so geländetauglich wie der kultige Vorgänger ist, traf man sich folgerichtig direkt an einer Crossstrecke.

Dort standen eine ganze Reihe Africa Twins, ein paar Straßenmoppeds aus der aktuellen Palette (wo sich im Vergleich zum letzten Jahr nicht allzu viel getan hat und deshalb meiner Aufmerksam weitestgehend entging) und, verlassen und einsam an ein Bäumchen gelehnt: die aktuelle Montesa Cota 350 in trauter Zweisamkeit mit der kleinen feinen 4Ride.

Die Journalisten so: Yeah! Africa Twin!
Die Blogger so: Yeah! 4Ride!


CRF1000 – die neue Africa Twin

Nichtsdestotrotz sollte es zuerst mit einem der Dickschiffe auf die Piste gehen. Die Eckdaten der neuen Africa Twin unterscheiden sich nicht wirklich signifikant zu den anderen, seit Jahren das Straßenbild beherrschenden SUVs: 232kg Leergewicht, 18 Liter Tank, 2 Zylinder, 1000ccm, 70KW, 250mm Bodenfreiheit.
Selbstverständlich lässt sich die Twin problemlos über die Crossstrecke zirkeln und die recht imposanten Sprünge mancher Kollegen steckt die AT auch gut weg, aber die vielgepriesene deutlich bessere Geländetauglichkeit gegenüber Tiger und GS kann ich für mich jetzt nicht so klar und eindeutig bestätigen, wie in den meisten Testberichten gelesen. Die AT ist und bleibt für mich halt doch erstmal auch nur ein Dickschiff.

 

Sehr gut gefallen haben mir – im Vergleich zu Tiger und GS – die Bedienelemente für das ABS und die Traktionskontrolle. Diese sind bei der Africa Twin angenehm einfach und praktisch gestaltet und auch ohne Bedienungshandbuch zu handhaben.

DCT, Olé Olé!

Der eigentliche Hammer und das echte Alleinstellungsmerkmal der neuen Africa Twin ist für mich aber zweifellos das DCT (Dual Clutch Transmission). Schon länger Fan von Hondas Doppelkupplungsgetriebe konnte es mich mit der überarbeitenden neuen Version (Offroadmodus mit mehr Motorbremse bergab, verändertes Verhalten bei Gangwechsel und Schlupfverhalten, mehr Modis zur Auswahl etc.) in der neuen CRF1000 einmal mehr überzeugen.

Sensationell, wie gut es sich auch und gerade ohne Kupplungshebel mit der Dicken AT im Dreck spielen lässt. Passt nicht so recht zur Offroad-Philosophie? Von wegen. Keine Umfaller in folge eines abgewürgten Motors, kein verkrampftes Schalten beim Fahren im Stehen und deutlich mehr freie Kapazitäten zur Konzentration auf das Gelände. Da verzeiht man gerne das Mehrgewicht von rund 10kg für das DCT. Und die Mehrkosten von 1.000€ fallen bei den Anschaffungskosten von 12.000 € in der Grundausstattung auch nicht mehr so wirklich stark ins Gewicht.

Jedem der die Nase rümpft ob einer „Automatik“ im Motorrad: Probiert es aus! Das DCT ist nämlich keine Automatik und macht echt Laune. Versprochen.

Fazit:
Alleine wegen dem DCT würde ich persönlich die Africa Twin zur Zeit aus der aktuellen Produktpalette aller Dickschiffe bevorzugen. Allerdings würde ich nicht so weit gehen, sie gegen meine CRF250L einzutauschen zu wollen.


CRF250L – die unterschätzte Africa Single

Apropos CRF. Die CRF250L war wohl zu meiner Enttäuschung diesmal nicht bei den Testtagen zugegen, aber da das gute Stück meiner Meinung nach viel zu wenig Beachtung findet, und dank der Euro 4 und ABS-Pflicht ab 2017 vermutlich auch so nicht mehr erhältlich sein wird, will ich trotzdem ein paar Worte über mein momentanes Lieblingsmopped verlieren:

Die CRF250L auf der Straße: die meisten rümpfen erstmal kräftig die Nase ob der kargen 23PS. Das sind nicht selten die gleichen Leute, die mir dann in engen Kurven im Weg stehen, mit Ihrer fetten GS. Klar, Autobahnetappen sind mit der Gurke extrem müßig, aber wer will schon auf die Autobahn. Selbst die 1200er Reise-SUVs sieht man auf der Autobahn öfter auf dem Hänger, als auf der eigenen Achse.
Das Handling der kleinen und verhältnismäßig leichten Maschine ist einfach nur spaßig. Und – für manche schwer verständlich – aber auch mit Vmax 120 kann man ganz ordentlich Spaß haben.

 

Die CRF250l im Gelände: Natürlich ist die Dualsport-Honda ein wenig schwerer, als eine straßenzugelassene Hardenduro aus dem Hause KTM, Beta, GasGas und Husquarna. Dafür ist sie, gerade für weniger geübte Enduristen, wesentlich gutmütiger mir ihrer gleichmäßigen und ruhigen Leistungsentfaltung. Ich hätte nicht für möglich gehalten, was mit der 250L im Gelände alles möglich ist. – OK, die Bodenfreiheit hätte auf unserer Ligurien-Tour gerne ein bisschen großzügiger bemessen sein dürfen, aber für eine Dualsport hat sie dort im teils doch sehr anspruchsvollen Gelände einen Top-Job abgeliefert. Chapeau!

Fazit:
Mit der CRF250L bekommt man ein vielseitiges Mopped für kleines Geld. Das Gerät ist On- und Offrroad eine große Freude, es ist sparsam und es gibt – wenn auch leider nicht in Deutschland – ein umfangreiches Zubehörsortiment. Ich würde sie sofort noch einmal kaufen.


Honda Montesa 4ride

Zurück zum Honda-Testtag.
Besonders gefreut habe ich mich über die Anwesenheit der schmucken kleinen 4Ride. Kannte ich das schmucke Teil bisher doch nur aus den eher dürftigen Online-Berichten und vom Hörensagen, freute ich mich umso mehr auf eine kurze Runde mit der kleinen Exotin.

 

Das schnuckelige Ding hat meine Erwartungen als Enduro-Spaß-Spielzeug dann auch absolut erfüllt. Doch leider ist sie aber auch eben nur genau das: ein Spielzeug. Die 4Ride hat für mein dafürhalten nur einen echten Einsatzzweck: das Trialwandern. Da man dieser überaus schönen Freizeitbeschäftigung bei uns in Deutschland aber so gut wie überhaupt nicht nachgehen kann, wird die 4Ride mit ihrem Preis von 7.825€ hierzulande vermutlich eher selten in freier Wildbahn zu beobachten sein. Zum Trialsport ist sie mit Sitzbank und Geraffel nicht wirklich geeignet, zum lustigen Stadtgefährt ist sie wiederum zu viel Trialmaschine und als lustiges Spielzeug imho etwas zu teuer. Ich sag’s nicht gern, aber da bietet die KTM Freeride 350 für etwas weniger Geld doch deutlich mehr Einsatzmöglichkeiten.

Fazit: Ein sehr lustiges, cooles Spielzeug, mit begrenzten Einsatzmöglichkeiten.


Montesa Cota 300 RR

Alles andere als ein Spielzeug, nämlich ein wirklich scharfes Wettbewerbs-Sportgerät, ist die Montesa Cota 300 RR.
Ein ziemlich feines Trial-Teil hat Honda da in Zusammenarbeit mit seinen Werksfahrern auf die Reifen gestellt. Mehr Leistung, mehr Drehmoment, weniger Gewicht. So muss das!
Nicht dass ich das „Race Ready“-Gerät mit meinen Kindergarten-Trial-Skills ernsthaft auf die Probe stellen und beurteilen könnte, aber ich habe mich schon ein bisschen in das Gerät verliebt. Hübsche Optik, angemessener Sound, saugutes Handling. Von den drei Moppeds, die am Testtag gefahren bin, hätte ich die Montesa am liebsten mit nach Hause genommen. Leider hatte ich paar Cent zu wenig in der Geldbörse um die rund 9.500€ *schluck* für die Cota den Honda-Jungs direkt auf den Tisch zu knallen und das gute Stück mit nach Hause zu nehmen. Irgendwas ist halt immer…


Vielen Dank an Honda Deutschland für die Einladung und die Möglichkeit die tollen Maschinen zu testen!

Übrigens:
Für sehr kleines Geld kann man ab sofort die Africa Twin mit der Anleitung erfahrener ADAC-Instruktion einen Tag lang über die Crossbahn jagen.
Das ganze nennt sich dann Honda Fun & Safety Adventure und die Infos dazu gibt es hier: http://de.honda.de/inhalt/service/motorraeder/fun_and_safety_adventure/

Fotos: Honda, Gasgriff Salat, Ernie Trölf
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