Endurofuntours hat nach Mecklenburg gerufen und außer mir sind unter anderem auch Julia von Mädchenmotorrad und Marcus von Kradblatt dem Ruf sehr gerne gefolgt. Kreuz und Quer durch Mecklenburg nennt sich die zweitägige Tour in Jochen Ehlers Programm….

Kreuz und Quer durch Mecklenburg hörte sich irgendwie ganz gemütlich an. Also schloss ich mich, ich glaube zum ersten Mal überhaupt bei einer Veranstaltung wo diese Frage zur Debatte stand, der „schnellen“ Truppe an. 

Was ich dabei allerdings nicht auf dem Schirm hatte, war die Tatsache dass der Boden da oben maßgeblich aus Sand besteht. Tiefem, weichem, trockenem Sand, der sich in Verbindung mit den darüber rollenden Enduroreifen noch dazu in blickdichte Staubwolken zu verwandeln pflegte. So fand ich mich, kaum aufgewacht, unversehens und überraschend inmitten einer gelben Wand aus Staub, hier und da von einzelnen Lichtstrahlen durchkreuzt, welche den Weg durch die Baumkronen fanden, und lustige Schattenspiele in die „Luft“ zauberten. 

Die Mischung aus Staub und Licht bot eine bühnenreife Show – blöd nur wenn man währenddessen vergeblich versucht den Weg zu erahnen und das Motorrad sich unter einem benimmt als wäre es völlig besoffen.

Sandpisten fahren ist schon was spezielles. Kommen in unseren Breitengraden in der Regel ja auch eher selten vor. Das gute am Tiefsand: Im Zweifel fällt man weich. Und die Lösungsformel zum geschmeidigen Sandsurfen ist eigentlich auch ganz einfach: „Arsch hinter und Attacke“ um es in Tina Meiers Worten zu sagen. Der Bayer-Hans würde es mit „Gas auf löst Probleme“ beschreiben. Man muss sich eigentlich nur trauen und das Motorrad machen lassen. Aber wer vertraut schon gerne einem besoffenen Motorrad. Ich jedenfalls nicht. Die CRF musste sich mein Vertrauen an diesem Morgen erst hart erarbeiten. Aber dann wich der Stöpsel im Arsch unversehens dem debilen Grinsen im Gesicht. 

Man munkelt, dass selbst schon Rallye-Dakar-Anwärter die sandigen Pisten zur Wüstenvorbereitung nutzten, aber Mecklenburg ist natürlich nicht die Atacama-Wüste und außer Sand galt es auf unserer Exkursion noch jede Menge andere Bodenbeschaffenheiten unter die Räder zu nehmen. Sei es über lustige Trialstrecken durch den Wald, durch kleine Furten die etwas Abkühlung versprachen oder mit Schmackes über Schotter und Wellblechpisten – an Abwechslung mangelte es nicht wirklich. 

Schön auch, dass während der Tour immer wieder kleine und große „Spielplätze“ unterschiedlichster Art angesteuert wurden, wo sich die jungen Wilden in Ruhe austoben und die alten Trölfs in Ruhe durchatmen konnten. Überhaupt hatten die Guides die Tour gut im Griff – nicht nur was die Streckenführung angeht. Alle „Problemchen“ und Pannen die beim Enduro nun mal unweigerlich auftreten wurden schnell und konsequent vor Ort gelöst. Nur für das defekte Schlüsselbein hatte der Guide das nötige Werkzeug nicht am Mann. Dies musste dann doch sicherheitshalber einem Fachmann zur Inspektion vorgeführt werden. 

Zum Abschluss eines gelungenen Enduro-Tages sind bekanntlich drei Dinge unverzichtbar: Stiefelbier, Dusche, Grillfleisch. Auch hier lieferte Endurofuntours und die Location Texas MV auch hier zu aller Zufriedenheit. Selten war ich schon so früh am Abend glücklich und zufrieden im Bett. 

Nicht zuletzt da für mich am nächsten Tag im Anschluss an die knapp achtstündige Endurotour noch eine ebenso lange Autobahnfahrt anstand, wollte ich es sonntags etwas ruhiger angehen lassen und wechselte mit Kradblatt-Marcus zur Blümchenpflücker-Gruppe. Nach dem eher flotten Fahrtag, bei dem ich viel lernte, eine für uns tiefenentspannte Angelegenheit.

Nun waren Marcus und ich diejenigen, die jeden Spielplatz ausreizten und sich immer mal wieder zurückfallen ließen um eine kleine Aufholjagd zu genießen. – Was nicht heißen soll, dass es in dieser Gruppe langweilig gewesen wäre. Im Gegenteil, auch hier gab es viele sehr schöne und fordernde Streckenabschnitte.

Ein für mich astreiner Endurowandertag zum Genießen. Und außerdem weiß ich jetzt wieder wieder, warum ich die XT500 verkauft habe. Ich möchte nie nie nie wieder eine Enduro mit Kickstarter. Der kleine rote Magic Button ist die beste Erfindung seit es Schokolade gibt. (Es sei denn man hat den Kickerkönig Jens dabei. Der ist fast so gut wie ein E-Starter, nur größer). 

Fazit: Ob gemütliches Endurowandern, oder flottes Sandsurfen, bei der „Kreuz und Quer durch Mecklenburg“-Tour von Endurofuntours kommt jeder auf seine Kosten. Absoluten Anfängern, die abseits der Straßen bisher nur mal über den Schotterparkplatz geschlendert sind, würde ich vorher ein Training empfehlen, aber man muss kein Crack sein und das fehlende Können auch nicht mit übertriebenen Wahnsinn ausgleichen um auf der Tour Spaß zu haben. Das haben die Guides schon gut im Blick.

Grundsätzlich würde ich sagen, dass man den Streifzug auch mit einer schweren Reiseenduro fahren kann, wenn man es kann. Leichter ist aber – wie immer – natürlich besser und ordentliche Stollenreifen (mindestens TKC80) sind definitiv Pflicht. Mit nur etwas gröberen Straßenreifen kommt man hier nicht weit. Darüber hinaus bietet Endurfuntours aber auch spezielle „2-Zylinder“-Varianten der Tour (siehe Termine).

Die Unterkunft (Texas MV) ist einfach aber gut und bietet nicht nur alles was das Herz vor und nach einem Offroadwandertag begehrt, sondern auch genügend Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten um evtl. den ein anderen Tag länger zu verweilen. 

Alleine für 2018 gibt es noch sieben Termine für die Kreuz und Quer durch Mecklenburg bei Jochen Ehlers. Die Preise beginnen bei schmalen 278,-€ inkl. Übernachtung und selbst Mietmotorräder können auf Anfrage gebucht werden. Alle Infos dazu findest du unter:  https://www.endurofuntours.com/ 

Vielen Dank an das Team von Endurofuntours. Wir sehen uns bestimmt wieder…

LINKS:
http://www.endurofuntours.com/offroad/
https://kradblatt.de/
https://maedchenmotorrad.de/
https://www.texasmv.de/

Fotos: Ernie, Marcus, Julia