In letzter Zeit ist das Thema „Fahrerausrüstung zum Endurowandern“ immer mal wieder Thema bei verschiedenen Benzingesprächen. „Jo mei, was soll i nur anziehen?“ Nachfolgend daher mein Setup, das sich bei längeren Endurowandertouren bewährt hat.

Die handelsüblichen Tourenfahrerausrüstungen sind zum Endurowandern in der Regel viel, viel, viel zu warm. Dabei spielt es keine Rolle mit welcher Weltraumtechnik und eingebauter künstlicher Intelligenz das Marketing die Klamotten anpreist und (fast) egal bei welchem Wetter. Und die weichen und vergleichsweise kleinen Protektoren bieten im Gelände darüber hinaus auch keinen wirklich guten Schutz. 

Das Gegenteil der Keflar-Mesh-Cordura-Hightecklamotten (viel, viel, viel zu warm) wäre eine waschechte Crosser- oder Sportenduro-Schutzausrüstung. Diese bietet optimalen Schutz und Kühlung, ist mir dann aber für lange Endurotouren zu unbequem und unpraktisch.

Hier nun also mein persönliches, mehrfach bewährtes, Setup der Fahrerausrüstung: 

Füße: 

Meine Empfehlung: Vanucci VBT 9
Es sind gar großartige Endurowanderschlappen, diese Touren-Offroad-Zwitter aus dem Hause Louis. 
Sie sind etwas höher und stabiler als normale Tourenstiefel, dabei aber weich genug und mit einer ordentlich profilierten Sohle ausgestattet, so dass auf Touren eine kleine spontane Wanderung und der Pedes-Grip im Matsch kein Problem sind. Und richtig Wasserfest sind sie auch.
Reinrassige Endurostiefel schützen im Falle eines Falles im harten Gelände natürlich noch deutlich besser, aber jeder fußläufige Ausflug zu einer Sehenswürdigkeit ist damit einfach nur lästig. Wenn dann noch rutschiges Gelände dazu kommt: Gute Nacht. Ich persönlich kann mit den steifen Dingern auch gar nicht wirklich fahren. Aber das ist wohl Übungssache. 
Link zum Produkt: VBT9 und der Nachfolger VBT11 
Alternative: Stabile, hohe Wanderschuhe.

Beine: 

Funktionsunterwäsche
Das Zeug trocknet sehr schnell, kühlt ein wenig und schützt gegen das Kratzen und Scheuern der Protektoren. Ich fahre nicht mehr ohne das Zeug. Egal bei welchem Wetter. Zum Beispiel: Vanucci

Knie- & Schienbeinprotektoren
Um Knie- und Schienbein gehört ein ordentlicher Panzer. Nicht nur beim Sturz, auch im Weg hängende Äste oder hochgewirbelte Steine knallen abseits der Straße gerne mal ans bein. Da kann sich so ein Stückchen Plastik ganz schnell bezahlt machen. Auswahl gibt es hier reichlich, auch für kleines Geld. Nur Gelenke sollten sie auf jeden Fall haben. Sonst wird das Laufen wieder lästig. Link: 24MX / Polisport

Fjällräven 1000
Lieblingshose. Wasser- und schmutzabweisend, reißfest, bequem, viele Taschen(!), restauranttauglich und lang genug für über die Stiefel. Alles was meiner Meinung nach eine ordentliche, echte (Reise-)Endurohose können sollte, aber keine reinrassige Endurohose kann. 
Link: Bergfreunde.de
Alternative: Engelbert Strauss

Optional: Hüftprotektoren
Auf langen Touren verzichte ich meist komplett darauf, da es mir langfristig zu unbequem ist. Wenn es aber absehbar „zu Sache“ geht, greife ich gerne auf so was zurück: Schutzhose Acerbis

Arme und Plauze: 
Brust, Rücken, Ellenbogen und evtl. auch die Schultern sollten im Falle eines Falles etwas abgesichert sein.
Hier hat sich das „All in one“ Protektorenhemd am besten bewährt. Gibt es auch schon für relativ kleines Geld. Auch wenn man es den Dingern vielleicht nicht gleich ansieht, lassen sie doch ziemlich gut die Luft durch und sind, zumindest in Verbindung mit Fahrtwind, auch bei großer Hitze einigermaßen gut zu ertragen.  Beispiel: Raven Torso bei 24MX

Jersey und Matschjacke
So ein Jersey ist schön leicht und luftig, trocknet schnell und ist zur Not auch mal ruck zuck im Fluss gewaschen. Wenn es doch mal kühler wird, oder regnet hat sich eine sogenannte Matschjacke gut bewährt. Die sind nicht nur deutlich billiger als eine „richtige“ Regenjacke, sie sind auch so geschnitten, dass den Protektoren darunter genügend Platz bleibt und die Bewegung nicht eingeschränkt wird.Beispiel: Shirts und Matschjacke bei 24MX

Schädel:

Crosshelm
Enduro- oder Crosshelme kosten im Vergleich zu guten Integralhelmen quasi nichts. Ein Integralhelm ist für das Endurowandern viel, viel, viel zu warm und Jethelme gehören vielleicht auf eine Harley oder Vespa, aber nicht auf eine Enduro. Vom fehlenden Kinnschutz beim Sturz mal abgesehen sind sie in meinen Augen alleine wegen der Gefahr von Steinschlag und dem fehlenden Schild nicht zu empfehlen. Das Schild taugt nicht nur bei tiefstehender Sonne, sondern insbesondere auch zum Abfangen von tief hängenden Ästen und vom Vordermann verspritzen Matsch und Steine. Empfehlung: MTR X6B von Louis

Endurobrille
Eine normale Sonnenbrille ist bequemer und kühler, aber bei Staubentwicklung oder Steinschlag rächt sich das dreifach.
Wenn es denn unbedingt sein muss, dann sollte es wenigstens eine Sonnenbrille mit Sicherheitsglas sein. Ich kann aus eigener Erfahrung aber sagen, dass nach einer längeren Fahrt in sehr staubigen Gelände gerne mal noch drei Tage danach in den Augen schmerzen können. Auch ganz ohne einen Steinschlag. Empfelung: Madhead S8 Pro von Louis

Camelbak / Trinkrucksack
Zum Endurowandern ist ein gefüllter Camlebak so unverzichtbar wie Benzin im Tank. Der Schädel funktioniert beim Sport nur, wenn man genügend Wasser hinein kippt. Und beim Motorradfahren braucht man das Ding, also den Schädel, ständig. Die Erfahrung zeigt: wer immer erst eine Flasche au dem Gepäck kramen muss, trinkt zu wenig. Wer zu wenig trinkt wird unkonzentriert und muss sein Mopped ständig aufheben. Ein Teufelskreislauf. Beispiel: Trinksystem 24MX

Hände:

Handschuhe
Möglichst leicht, bequem und dünn sollten sie sein. Selbst die Sommerhandschuhe aus der Tourenabteilung sind viel, viel viel zu warm.
Ich persönlich habe ganz gerne noch einen kleinen Knöchelschutz obendrauf, falls man beim Fahren mal ein Ast erwischt…
Beispiel: Alpinstars Venture R 

Sonstiges:

Tuch
So ein Tuch ist quasi ein kleiner Handtuch-Ersatz. Und ein Handtuch ist bekanntlich die kolossal nützlichste Sache auf Reisen mit immens praktischem und psychologischem Wert. Ein echtes Handtuch wäre auf dem Mopped aber zu groß, zu schwer und viel, viel, viel zu warm. Deshalb hat die Weltraumforschung die Multifunktionstücher erfunden. 

Hüfttasche
Eine Oldschool-Hüfttasche ist die beste Möglichkeit Kamera und Co stets griffbereit am Mann zu haben, ohne das Zeug beim ersten Sturz zu Schreddern oder sich daran zu verletzen wie es z.B. in der Hosen- oder Beintasche vorprogrammiert wäre. Funktioniert auch als Lenkertasche, sofern man ein paar Kabelbinder zur Hand hat. 

Kamera und Technik
Drohne, Actioncam, Spiegelreflexausrüstung, Camcorder. Was habe ich nicht schon alles auf Reisen (unnötig) mit mir rumgeschleppt. 
Letztendlich ist die beste Kamera immer die, die man schnell zur Hand hat. (Empfehlung: Canon Powershot G7x – siehe meinen Vergleichstest)
Das spart eine Menge Gewicht, man macht sich (und seinen Mitreisenden) sehr viel weniger Stress unterwegs und hat am Ende trotzdem noch hunderte Bilder und Videos zu viel auf der Speicherkarte.
Aber die Qualität, sagst Du?! Vrgl.: Island (~10 kg SLR Ausrüstung)Thailand ( ~300 g Kompaktkamera) 

Verpflegung
Neben ausreichend Wasser (meist mit einer Blubberpille Magnesium oder so was) habe ich immer ein paar Riegel und Traubenzucker dabei. Da ich eher weniger Biodämmung mit mir herumtrage und die dauerhaft eingebauten Reserven entsprechend knapp bemessen sind, hat mir so ein dämlicher Riegel schon öfter Mal den Tag gerettet. (Wenn es alleine oder in kleiner Gruppe ohne Guide und Begleitfahrzeug weit abseits durch das Outback geht, empfiehlt sich außerdem eine Salami und ein gut gefüllter Flachmann als Abendessen und Schlafmittel / Antidepressivum für die ungeplante Übernachtung im 1.000 Sterne Hotel am Mann zu haben. 😉 )

Werkzeug und Ersatzteile:
Die Anforderung sind je nach Tour natürlich sehr verschieden. Gibt es einen Tourguide oder gar ein Begleitfahrzeug? Geht es mehrere Tage durch das Outback, oder ist man ständig in Reichweite der Zivilisation? Fahren mehrer Leute die gleich Maschine, oder sind diese alle grundverschieden?
Zur absoluten Grundausstattung gehört natürlich ein Leatherman bzw. Multitool. Alleine damit kommt man fast immer irgendwie weiter…

Hast Du noch andere Tipps, Ergänzungen oder gute Produktempfehlungen? Ich freue mich darauf in den Kommentaren…

Gute Fahrt!