Wieder einmal war es ein ganz beiläufig abgesendeter Tweet, der das Abenteuer Baja 300 ins Rollen brachte.

„Diese Baja300 könnte man auch mal im Auge behalten“, zwitscherte ich in die Welt hinaus, als ich zufällig auf die Webseite der Veranstaltung stieß.
Die Zeilen wurden von Kollege Marc in Laos erhört, wo der Grämige gerade unter anderem mit Tina Meier eine feine Endurotour unternahm.
„Lass uns mal reden, wenn ich wieder da bin“, war die Antwort die den Weg aus Asien auf mein Smartphone fand.
Später sollte sich dann überraschender Weise herausstellen, dass es nicht, wie ich dachte, darum ging ob wir als Zuschauer die Baja 300 besuchen, sondern als Teilnehmer.

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Tina „Dakar“ Meier hatte nämlich für die Rallye ein kleines Dirtgirls-Team zusammengestellt und bot ein rundum sorglos Paket mit Mechanikern & Leihmoppeds vom Team Kaiser, dem Dakar-bewährten Physiotherapeut Cornell und Tina selbst wollte als Team-Managerin und Trainerin fungieren. Darüber hinaus waren die Mädels auch dazu bereit Marc und mich als Mädchen Ehrenhalber (fortan als Erna & Griesi benannt) in das Dirtgirls-Rallye-Team aufzunehmen.
Also wurde umgehend die Anmeldung ausgefüllt und das Startgeld überwiesen. Erst danach realisierte ich, was ich da zu tun gedenke. „Ist es nicht vielleicht doch etwas übermütig, so ganz ohne wirkliche Enduro-Erfahrung und ohne Schimmer von Road-Books an einem Rallye-Wettkampf teil zu nehmen?“
Diverse Horrorstories über den Schwierigkeitsgrad dieser Veranstaltung, auch in Sachen Navigation, die ich in verschiedenen Offroad-Foren fand, taten ihr übriges. Mir ging zunehmend der Kackstift. Dennoch freute ich mich natürlich auch darauf endlich mal richtig im Dreck spielen zu können. Ich war mir nach meinem Island-Trip auch sicher, dass es diesmal ein nicht ganz so deprimierendes Debut werden würde, wie damals meine erste Runde mit einem Rennerle auf dem Track im Baden Airpark.

Die nötige Ausrüstung wie Brustpanzer, Knieschützer, Trinkrucksack, und ein Crosshelm (Germot G350) waren schnell besorgt. (Letzterer wurde mir freundlicherweise spontan von Germot zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!)

Nicht so einfach gestalteten sich hingegen meine Trainingspläne. Die gerade besorgte, alte Husqvarna 610TE benötigte für den ersten Einsatz doch deutlich mehr Zuneigung als erwartet. So blieben die erhofften Übungsrunden beim MSC-Pfungstadt leider aus und meine Vorbereitung beschränkte sich auf ein paar kleine Jogging-Runden für’s gute Gewissen.

„Wollen wir eigentlich mit den Moppeds zur Rallye?“
„Logisch“

Ich bereute die spontane Antwort, als ich am Tag vor der Abreise einen immer größer werden Berg an Ausrüstung zusammentrug: Campingsachen und Verpflegung, Enduroausrüstung, Kanister für die Tankzone im Rennen…

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„Na, geht’s auf Große Reise? Wo machst’n hin?“
„4 Tage Leipzig“
„???“

Am Tagebau Profen angekommen, vielen mir sofort die extrem entspannten und freundlichen Ordner und Einweiser auf. Die leider nicht selten übliche „Heute-hab-ich-mal-was-zu-sagen-und-lass-den-Larry-raus“-Mentalität, oder überforderte Helfer suchte ich hier vergeblich. Sehr angenehm.

Nachdem wir uns ein passendes Plätzchen im Fahrerlager gesucht hatten, trudelte auch nach und nach der Rest des Dirtgirls-Rallye-Teams ein.

Als erste Amtshandlung gab es ein wenig Papierkram für die Anmeldung zu erledigen. Nach der Abgabe diverser Haftungsausschlüsse, Ichdarfdas-Bescheinigungen und Pfand für den Transponder, wurden uns die Roadbooks ausgehändigt. Damit konnten wir zum dem  geselligen und sehr lustigen Teil des Abends übergehen.

Tags darauf stand die technische Abnahme der Moppeds und Ausrüstung auf dem Plan.
Da die Abnahme ein paar Kilometer weiter auf dem Marktplatz statt fand und der Weg dorthin natürlich standesgemäß im Roadbook beschrieben war, begann der Tag mit einer ersten Einweisung in den Gebrauch dieser mit Pfeilen und Zahlen versehenen Papierrolle.
Diese erste Fahrt war nicht nur eine willkommene Gelegenheit, mich mit dem Umgang des Roadbooks anzufreunden, sondern auch mit „meiner“ KTM 450EXC warm zu werden und zu lernen, in welcher Reihenfolge und wie ich eigentlich korrekt die ganzen Protektoren, Panzerhemd und Neck Brace um meine Knochen verteile und miteinander verbinde.

Die technische Abnahme verlief wie erwartet problemlos und die erste Fahrt mit KTM und Roadbook war die reinste Freude. Auch wenn ich auf der Rückfahrt dann doch noch ein Bildchen falsch gedeutet habe und ein paar extra Kilometer abgespult habe. Beruhigender weise war ich dabei aber nicht alleine. Auf meinen Abwegen traf ich einige weitere verwirrte Gestalten auf ihren Enduros.
Zurück im Camp ging es dann nach einer Notfalleinweisung des Veranstalters, ein Mini-Erste-Hilfe-Kurs, ans Eingemachte in Sachen Roadbook. Die ersten Fehler wollten Analysiert werden, den ominösen Kompasskursen wurde der Zauber genommen und die dafür notwendige korrekte Bedienung der GPS-Geräte erklärt.
Dann begann das Malen nach Zahlen. Wir gestalteten unsere Roadbooks zwecks besserer Lesbarkeit im Rennen mit verschiedenen Farben.
Im meinem Fall: Achtung = Rot, Links = Grün, Rechts = Gelb.
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Während wir in unserem „Schulbus“ fleißig am Malen waren und verpflegt wurden, tobte draußen ein Regenschauer der sich uns gewaschen hat und innerhalb von Minuten das gesamte Areal in eine Matschgrube verwandelte. Das hatte zur Folge, dass Abends bei der Fahrerbesprechung einige Streckenänderungen bekannt gegeben wurden, die natürlich wieder ins Roadbook übertragen werden mussten.

Um Mitternacht hieß es dann endlich: ab ins Körbchen. Um 4.00 Uhr wird die Nacht zu Ende sein und die Spiele können beginnen.

Fortsetzung folgt.
Bis dahin sei Euch die Lektüre des Artikels von Frau Huber empfohlen.
Außerdem habe ich mich Claudio vom Pegasopodcast über die Baja unterhalten.